Allem anschein nach, wird Deutschland demnächts von der großen Koalition regiert. Auch wenn die CDU die meisten Stimmen bekommt, wird es wahrscheinlich nicht für die schwarz-gelbe Koalition reichen. Dies sah noch vor paar Tagen anders aus. Was hat die CDU, die in den letzten Tagen so rapide die Wähler verliert, falsch gemacht?
1) Pauf Kirchhof: Ein Ökonome mit Durchblick und Visionen, der eine wirksame Steuerreform durchsetzen möchte, die die Wirtschft beleben würde und bei der Lösung der größten Probleme dieses Landes helfen würde. Leider kein Politiker. Paul Kirchhof argumentiert sachlich und vernünftig. Aus seiner richterlichen und akademischen Umgebung ist er es gewohnt, dass seine Zuhörer über das gesagte logisch nachdenken es verstehen und wenn sie oponieren, sachliche Gegenargumente hervorbringen.
Doch vernünftige, logisch, denkende Menschen mit ökonomischen Verstand wählen weder die SPD, noch die Grünen geschweige den die Linke.
Mit Paul Kirchhof kann man eine gute Wirtschaftspolitik machen, aber keine Stimmen der jetzigen Koalition abjagen oder uninteressierte und unentschlossene Wähler für die CDU begeistern.
2) Konstruktiver Wahlkampf. Die CDU präsentiert konkrete Pläne der angedachten Reformen, sie spricht von den Lösungen, statt die Probleme zu thematisieren. Die CDU führt den Wahlkampf so, als ob sie bereits an der Regierung wäre. Ist sie aber nicht. Und das ermöglicht der SPD einen Oppositionswahlkampf zu führen, sich auf die Kritik der CDU-Pläne zu stürzen, keine konkrten Pläne der SPD auszusprechen.
Die Leute in Deutschland haben kein Vertrauen in die Politik. Konstruktive Vorschläge werden mit Mistrauen und Abneigung empfunden, Kritik dagegen bringt Sympathien. Es ist nicht logisch, es ist nicht vernünftig - aber die unentschlossenen Wähler, um deren Stimmen es geht, sind nicht logisch, sie sind nicht vernünftig - sie sind emotional, uniformiert und verärgert.
Will man solche Wähler gewinnen, muss man populistisch agieren, diffarmieren, griffige Slogans stängig wiederholen (Wie wäre es nach Putins Besuch mit „Kein Blut für Erdgas!“), Liebeserklärungen abgeben, Bush ablehnen, oder einfach die nicht vorhandenen Pläne der SPD kritisieren. Und wenn die SPD keine Pläne präsentiert, sollte ihr die CDU welche unterstellen. Warum thematisiert die CDU nicht die geplant Abschaffung der privaten Krankenversicherungen? Was ist mit der Erhöhung der 7%-MwSt? Was ist mit der Ökosteuer? Warum müsen Rentner ihre Krankenversicherung selber bezahlen? Wo bleiben die Schlammschlachten?
Aus jahrelanger Innenansicht der CDU bin ich der Überzeugung, daß sich die Union insgesamt nicht als Wahlkampfmaschine eignet. Wir haben als JU auf Stadt- und Kreisebene griffige, populistische Aktionen gemacht und wurden dafür von oben her abgestraft. Wir fochten die Kämpfe der CDU aus. Gegen Ganztagsschule, pro USA, gegen Windkraft, gegen Islamismus. Und jedes Mal wurde unsere Vorlage nicht von der CDU aufgegriffen, sondern sie passte sich angesichts des politischen Gegenwindes an die Positionen der SPD an, um ja nicht festgenagelt zu werden.
Ihr habt es falsch gemacht.
Für die großen Parteien geht es nicht darum, eigene Positionen zu propagieren und durchzusetzen, dazu gibt es die Regierungszeit.
Im Wahlkampf geht es für die großen Parteien wie die CDU/CSU und die SPD darum, die Ähnlichkeit der eigenen Positionon mit der Meinung der Mehrheit hervorzeheben und die Unterschiede runterzuspielen. Es wäre also ein Fehler, sich im Wahlkampf proamerikanisch zu geben. Proamerikanisch eingestellte Menschen wählen sowieso nicht rot, rot oder grün.
Im Wahlkampf muss man das sagen, was die Menschen hören wollen. Und die Menschen wollen keine Lösungen, sie wollen Beschwerden und Kritik hören. Nur ein negativer Wahlkampf hat hierzulande eine Chance. (Leider)
Dem zweiten Teil der Analyse stimme ich zu. Beim ersten Teil habe ich etwas zu meckern:
1. Kirchhof ist kein Ökonom. Ich finde auch, man merkt das.
2. Mit Kirchhof hat sich die CDU das Problem eingehandelt, ein Modell verteidigen zu müssen, das sie selbst noch gar nicht im Programm hat. Ihr eigenes Steuermodell geriet in Vergessenheit.
By the way: Ich selbst habe zwar kein unmittelbares Problem damit, aber so doll finde ich das nicht, dass ihr hier die IP-Adressen der Kommentatoren veröffentlicht.
OK, die IP-Adressen werden nicht mehr automatisch veröffentlicht.
Nur die von Trollen ;-)
Dass Herr Kirchoff kein Ökonom ist sondern Jurist wurde ja schon erwähnt. Ich fand den Coup von Anfang an verdammt mutig. Und "mutig" beinhaltet die Möglichkeit, dass der Schuss auch nach hinten los gehen kann. So diskutabel das Kirchoff Modell ist, so umstritten ist es auch, und das auch bei Ökonomen, die der CDU nahe stehen (z.B.: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/415385/). Da frage ich mich doch, ob es nicht deutlich besser gewesen wäre, das (ebenfalls schon recht ambitionierte) CDU/CSU-Konzept in den Vordergrund zu nehmen und Herrn Kirchoff während der Legislaturperiode ins Boot zu holen. Und dann abseits der Wahlkampfhektik in Ruhe einen großen Systemwechsel einzuleiten.
@andreas S.: Wahrscheinlich bin ich nicht repräsentativ für die deutsche Wählerschaft. Ich bin neulich in so eine klassische populistische JU-Aktion geraten und habe mir nur gedacht: Was soll der Mist?
mit beigen und braunen plakaten , auf denen die unangehmen wahrheiten zu lesen sind?mit der kirchhof-kakophonie?wenn der mann schon kein politiker ist, dsann muesste angie ihm ein paar takte verhaltensmassregeln geben - bevor sie ihn benennt.mit der ankuendigung einer hoeheren MWSt, von wesche der aehrlischkeit??
das ist zwar auch wahlkampf, aber keiner mit dem willen zu gewinnen.....vielleicht doch noch zu viel pfarrers-haushalt im system??
Drei Jahre ist es her, dass wir diese Schröder-Blase zum ersten Mal beobachten durften.
Schröder gewann damals die Wahl. Und wie am Morgen nach einem fulminanten Zechgelage, bereuten die Deutschen ihre Wahlentscheidung gleich, nachdem sie wieder wa...
Folgenden trackback wollte ich mit den letzten Eintrag setzen:
http://www.deutschling.de/?p=76
Und Andreas kann ich nur beipflichten. Die Union ist von ihrem Wesen her nicht fähig, einen guten Wahlkampf zu führen – sprich zu lügen und zu täuschen.
Nicht das CDUler nicht lügen könnten. Es fehlt ihnen schlicht die Dreistigkeit, es auf so plumpe Weise zu versuchen wie die Sozen.
Und so verfällt die Union auch immer wieder in eine Verteidigungshaltung. Der Gegner behauptet und man selbst versucht mit Argumenten zu entkräften. Und die sind auch noch überzeugt, dass das klappt. Dass man Menschen mit Argumenten überzeugen kann.
Bestes Beispiel ist die aktuell Gegenkampagne der Union: „Die SPD belügt die Menschen“. Als ob das die Menschen interessieren würde...