Roland Scheel und Gregor Raýman werden nachfolgend "ich" genannt.
Nach der Wende dachte ich, dass die SED bzw. die PDS nicht lange bestehen bleibt. Und ich gebe zu, ich lächelte etwas schadenfroh, als die PDS vor drei Jahren durch das clevere Gerrymandering der Berliner Wahlbezirke aus dem Deutschen Bundestag praktisch rausgeflogen ist. Doch ich glaube nicht, dass wir, die damals noch gelacht haben, heute auch noch lachen werden. Denn auch in der Politik gilt, dass die tot gewünschten länger leben, und die PDS bzw. die Linke ist eine bundesweit ernstzunehmende Partei geworden.
In der guten Tradition der Sozioproktologen, allen Parteien eine Wahlempfehlung auszusprechen, empfehlen wir heute die Linke Partei zu wählen. Die Geschichte der PDS ist jedoch voll von Missverständnissen, die wir hier ausräumen müssen:
Die PDS galt bis vom kurzen als eine auf Ostdeutschland beschränkte Regionalpartei, dabei war es die erste, wenn auch sozialistische, Einheitspartei Deutschlands. Manche gehen in ihren Verleumdungen sogar so weit, dass sie der Linken vorwerfen, ein totalitäres unterdrückendes Regime geführt zu haben. Dabei war es gerade die PDS (SED), die die erste deutsche demokratische Republik nach dem zweiten Weltkrieg gegründet und geführt hat. Eine Republik, die sich die soziale Gerechtigkeit auf die Fahne geschrieben hat, in der sich jeder Bürger der staatlichen Unterstützung sicher sein konnte, die niemanden aus den Augen verloren hat oder fallen gelassen hat.
Doch nicht nur wegen ihrer Geschichte ist die Linke die Partei der Wahl. Sie besticht nicht nur programmatisch, sondern auch personell. Die Linke ist die einzige Partei mit einem soliden Steuerreformkonzept. Sie sagt nein zu einer Mehrwertsteuererhöhung, und kritisiert zu Recht die komplizierten und undurchsichtigen Vorstellungen der umbra-grünen Koalition. Im Gegensatz zu den anderen relevanten Parteien braucht die PDS keine populistische Reden zu schwenken, denn sie kennt den Grundsatz jeder soliden Steuerpolitik – der Staat muss das Geld dort hernehmen, wo es ist – von den Reichen. Und von einer soliden Steuer- und Wirtschaftspolitik werden wir alle profitieren.
Wen die tiefgründige Wirtschaftskompetenz der Linken nicht überzeugt, den überzeugen deren Spitzenkandidaten. Die übrigen Politiker sind arrogant, besserwisserisch und realitätsfern - sie kleben an ihren Stühlen, von denen sie nur irgendwelche Korruptionaffären vertreiben können. Bei der Linken ist es anders. Sowohl Oskar Lafonataine, als auch Gregor Gysi zogen sich zurück, um sich nicht an der gescheiterten Politik der SPD beteiligen zu müssen. Doch jetzt, in den Zeiten der Not, bieten sie dem deutschen Volk ihre helfende Hand an. Es wäre ein Fehler sie auszuschlagen, denn niemand kann Ihnen das geben, was Ihnen die Linke versprechen kann.
Anders als die SPD, bekennt sich die Linke zu ihren Prinzipien. Die Linke stellt sich gegen die soziale Kälte der Union. Im Gegensatz zu der Spaßpartei FDP, versteht die Linke keinen Spaß, wenn es um das Wohl der Werktätigen geht. Und die Besserverdienerpartei der Grünen wird nie den kleinen Mann so verstehen können, wie es die Linke tut.
Schon um den kräuterteetrinkenden Stoiber zu ärgern, muss man die Linke wählen!
Vielleicht sind die vorgenannten Gründe, die Linke zu wählen, auch vollends falsch. Dann wenigstens bin ich sicher, dass sie immerhin ein repressives System installieren werden, wodurch traditionell linke Werte wie Zusammenhalt und Solidarität eine neue Blüte erleben werden.
So, heute wird für die FDP geworben, was ja im derzeitigen Umfeld besonders leicht fällt.
Wofür steht die FDP und warum führt kein Weg daran vorbei, ihr das Vertrauen zu schenken (wohlgemerkt: Geschenkt ist geschenkt, wiederholen ist gestohlen).
Als ersten Punkt muss ich die Eigenverantwortung nennen, die mir so wichtig ist, dass ich mich dabei voll und ganz auf die Planungsstäbe der FDP verlassen will.
Gleichzeitig habe ich Apotheker, Handwerksmeister und Buchhändler in meiner Bekanntschaft und denen möchte man ja auch etwas Gutes tun. In letzter Zeit können die mir immer häufig von geizigen Übergriffen durch Kunden berichten.
Die FDP wird marktradikal meine Bekannten vor der sozialistischen Konsumentensouveränität schützen. Ebenso schützt sie diese armen Menschen vor Angriffen aus dem Lager der unorganisierten Unternehmen, die nicht anderes im Sinn haben, als Arbeitsplätze zu zerstören, die vorher mühevoll von der IHK und Konsorten aufgebaut wurden. Wenn sich die FDP mit ihrem Programm der Vernunft durchsetzt, dann werden meine Bekannten weiterhin viel Geld verdienen, und viel Brutto = viele Steuern, das weiß auch die FDP.
Dieses Geld wird sie für staatstragende Zwecke einsetzen.
Jeder, der sich schon mit der Idee des Liberalismus auseinander gesetzt hat, weiß: Richtig verstandener Liberalismus heißt, Freiheit negativ zu definieren. Nicht das Recht auf freie Selbstbestimmung, das Recht auf freie Wahl des Produzenten, ... ist Freiheit, Freiheit ist vielmehr Freiheit vor dem Markt, vor der Willkür des Eigentums, ... Um dieser Grundwahrheit eine Verankerung im FDP-Programm zu geben, hat die FDP die Antidiskriminierung dort mit aufgenommen. Selbstverständlich macht sie das nicht wie rot-grün, sie will dass der Kampf gegen die Diskriminierung unbürokratisch aufgenommen wird. Vielleicht in Form von wachsamen Bürgern, die Angriffe auf die Sozialordnung in freier Selbstverwaltung vereiteln. Der philosophische Link ist jedem bekannt: Eigentum ist Diskriminierung und von diesem Übel können die Nichtapotheker und Nichthandwerksmeister nur befreit werden, wenn ihm der koventionalmoralische Nährboden entzogen wird. Hierfür setzt sich die FDP mit voller Kraft ein. Dabei werden zwischen Nichtapothekern und Nichthandwerksmeistern natürlich keinerlei diskriminierende Unterschiede gemacht.
Es sollte jedem klar geworden sein: Wer die Welt von den Fesseln des Marktes befreien will, der muss FDP wählen.
Eines muss ich vorneweg sagen: Ich hätte nie gedacht, wie viel Spaß es macht, Parteien zu bewerben. Jetzt würde man vermuten, dass im Anschluss die Werbung für die FDP kommt. So ist das aber nicht. Heute sind die Grünen dran.
Für die Grünen zu werben ist eine immens schwierige Aufgabe. Ich habe ein wenig bei anderen Wahlempfehlungen Rat eimgeholt und dachte, beim Elektrosmog bzw. dessen Unterbindung könnten die Grünen punkten. Ist aber nicht so:
Die PDS hat hier die Nase vorn. Das war jetzt natürlich ein Vorgriff, die PDS ist erst beim übernächsten mal dran.
Dennoch muss ich offen gestehen, dass die Wahl der Grünen alternativlos ist, denn:
Die Grünen haben schon seit ihrer Gründung auf ein deutsches Erfolgsmodell gesetzt: Bedingungslosen Gehorsam vor ihrem Vordersten. Damals wurde das kaum wahrgenommen, aber die grünen Abgeordneten mit Strickzeug mussten stricken, um ihren Tribut an die Partei zahlen zu können, auch wenn Politik auf dem Programm stand, denn die Kassen waren leer. Heute ist das natürlich anders, schließlich haben die Grünen mittlerweile ein ausgefeiltes System zur Sektenfinanzierung, das sie meines Wissens 1993 auf ihrem Parteitag in Aachen eingeführt haben: Statt der Strickpullover nimmt die Partei jetzt einen Teil der Diäten. Gleichermaßen verfolgen die Grünen eine ähnliche Strategie wie Scientology, die bewusst um reiche Mitglieder buhlen, und so sind die Grünen heute Deutschlands Partei der Besserverdienenden. Damals, beim Stricken, haben die noch höllisch aufgepasst, dass keine Masche verloren geht, da ging keiner durch. Also: Hut ab, die Grünen haben ihren Laden im Griff.
Wobei "die Grünen" (oder "die Partei") natürlich Joschka Fischer meint. Joschka Fischers Verdienste können hier aus Zeit- und Platzgründen kaum aufgezählt werden, aber auf einen Punkt muss man natürlich eingehen: Er hat Auschwitz verhindert, indem er deutsche Soldaten in den Kosovo geschickt hat. An dem Punkt sollte jedem klar geworden sein: Die Grünen sind die Überpartei, die der Ehre ihrer Partei und dem Partei-Sein an sich sogar das eigene Programm opfern! Das nenne ich demokratisches Selbstverständnis pur, befreit von allen ideologischen Makeln.
Dass eine solche Partei linke Zecken, wie Jutta Ditfurth beispielsweise, loswerden musste, versteht sich von selbst, denn so etwas hat in einer bürgerlich-progressiven Zukunftspartei nichts zu suchen. Bürgerlich-progressiv ist natürlich wiederum zu kurz gegriffen:
Die Grünen sind gleichzeitig Deutschlands erste sekular-religiöse Partei.
In sehr kurzer Zeit werden die Grünen zur höchsten Stufe der Erleuchtung hinaufkrabbeln: Wenn Joschka Fischer öffentlich erklärt, dass die selbstlose und vollständige Emanzipation von den eigenen Idealen die erlesenste Weise ist, moralisch erhaben zu sein. Sich nicht von so niederen Motiven wie Idealismus leiten zu lassen, sondern nur dem höheren Ziel zu folgen: Das Destillat der Demokratie: Partei an sich (und sonst nichts): Die Grünen
Die Zeit ist ja knapper als ich dachte. Jedenfalls sagt das mein Kalender.
Deshalb schon heute die Wahlempfehlung für die CDU.
Ich kann guten Grundes sagen, dass die Wahlstimme eindeutig der CDU gehören sollte.
Diesmal fange ich aber bei den leichtgewichtigeren Argumenten an:
Das Programm der CDU ist zwar nicht das von Margaret Thatcher (seiner/ihrer)zeit, aber es ist mindestens so scharf konturiert wie Maggies Plumpudding. Und Plumpudding wird es mit der CDU immer zum ermäßigten MwSt-Satz von 7% geben. Ein klarer Vorteil für Liebhaber englischer Gerichte. Das Programm der CDU is also kein leeres Gerede, sondern praktizierter Minderheitenschutz.
Weiterhin ist die CDU die einzige Partei, die es im Widerspiel mit ihrer Schwester CSU schafft, unverrückbar für die Wiedervereinigung einzutreten, aber ohne Ost-Deutschland, wie derzeit Stoiber gekonnt in Szene setzt. Diese Form der Dialektik gelingt der CDU nur deshalb, weil ihre Spitzenkandidatin Angela Merkel in der angesehensten Kaderschule in der SBZ (Abkürzung für "Superblödenzone", Edmund Stoiber "...und wie ich die Welt seh'", erschienen im Weißwurstverlag 1994) den Fortgeschrittenstenkurs für Agitprop mit summa cum lauda abgeschlossen hat. Eine findige Frau, die sich anschickt, erste BundeskanzlerIn für Deutschland zu werden.
Das schließlich überragende Argument für die CDU findet sich wörtlich im Programm der CDU selbst: "Durch unsere Gesundheitsreform werden alle Kinder beitragsfrei versichert." Diese Neuerung hat es in sich, weil auch hier wieder die gekonnte Verbindung von Tradition und Moderne zu einer krönenden Synthese gerät: Es bleibt, wie es immer war und ist doch neu und nebenbei sogar das was es blieb, bleibt und bleiben wird. CDU: Verlässlichtkeit pur!
Ich habe mir überlegt, dass es eigentlich nicht wirklich demokratisch ist, wenn bestimmte Medien nur Wahlempfehlungen für bestimmte Parteien aussprechen. Deshalb werde ich diesen Fehler berichtigen und jede Woche eine weitere Partei empfehlen, in der Reihenfolge ihrer Wahlergebnisse von 2002, absteigend, das ist dem Namen dieser Seite geschuldet. Diesmal ist entsprechend die SPD dran, und ich möchte dringlich empfehlen, diese Partei zu wählen.
Warum SPD?
Ganz einfach: Wer nicht an die Politik glaubt, der muss tunlichst dafür sorgen, dass die Politik "handlungsunfähig" bleibt. Mit der SPD als neue und alte Regierungspartei scheint die Wahrscheinlichkeit dafür derzeit am höchsten. Und sollte sich die SPD doch als handlungsfähig herrausstellen, so wird sie durch ihr Tun beweisen, dass Politik niemals die Lösung, sondern immer das Problem ist. Es kann also nichts schiefgehen.
Andere - aber natürlich vernachlässigbare - Argumente wären das Personal, darunter die erfrischende Querdenkerin Ulla Schmidt oder sogar Heidemarie Wieczorek-Zeul, die mich ständig so entflammt.
Und noch ein wichtiges Argument: Die Regierung abzuwählen führt zu rechtlichen Pensionsansprüchen in nicht unbeachtlicher Höhe. Von diesem Geld könnte sich jeder Bundesbürger ebensogut einen Kasten Bier pro Jahr mehr kaufen.