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01. November 2006

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Was ist Polemik?  
Sascha Settegast

Polemik ist das schriftstellerische Mittel der überspitzten Darstellung eines Sachverhaltes mit dem Zweck, diesen auf den Punkt zu bringen. Etwas auf den Punkt zu bringen, heißt, dasjenige besonders hervortreten zu lassen, was an einer Sache wesentlich ist im Hinblick auf eine bestimmte Fragestellung oder einen sonstigen Kontext, in dessen Rahmen die Sache behandelt und aus dessen Perspektive sie betrachtet wird.

Gute Polemik hat dabei eine summierende Funktion. Sie stützt sich auf ein stichhaltiges Argument, das parallel geführt wird oder vorausgehend geführt wurde, und bringt dieses durch Überspitzung derart auf den Punkt, dass der Leser unweigerlich zu dem inneren Ausruf genötigt wird: "Ja, genau so ist es!" Gute Polemik bezieht ihre Treffsicherheit -- und damit auch ihre Glaubwürdigkeit! -- aus der Stichhaltigkeit des Argumentes, auf dem sie beruht, wie sie auch diesem wiederum besondere Schlagkraft verleiht.

Schlechte Polemik verfehlt den Punkt. Dies entweder indem sie bei ihrer überzeichneten Darstellung Unwesentliches, das Fehl am Platze erscheint, hervorhebt, oder aber indem sie nur durch ein mangelhaftes oder durch gar kein Argument gestützt wird, oder aber die Überspitzung das Argument nur mangelhaft aufgreift. Schlechte Polemik hängt gleichsam freischwebend in der Luft. Durch ihr pointenloses Überspitzen um der Überspitzung willen wirkt sie aufgeblasen, grotesk und lächerlich.

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(2006-11-01 01:05:55)Stefan Sedlaczek: Was nun?

Was nun ist an Polemik das Wesentliche, was Gutes summiert sich hier auf? Ist Polemik gut oder schlecht? Nun gut: Die schlechte Polemik wird gut definiert. Auch die "gute" Polemik wird gar nicht schlecht umrissen und in ihrem Wesen ganz gut dargestellt. Allein, was ich vermisse: Wozu ist Polemik gut?

(2006-11-01 10:45:24)Sascha Settegast.:

Polemik ist, wie gesagt, ein schriftstellerisches Mittel, mit dem man das Wesentliche an einer Sache, wie sie unter einer bestimmten Fragestellung betrachtet wird, ins Auge springen lassen kann. Und das ist ihr Zweck: Den Leser quasi mit der Nase auf das Stoßen, was wichtig und wesentlich ist.

(2006-11-02 00:30:58)Luc: Streit mit Worten

Polemik meint sowas wie die Kunst des Streitens. Rein auf das Literarische ist es aber nicht begrenzt. Aber was ist gut was ist schlecht? Da fängt die Polemik doch schon an.

(2006-11-02 10:10:04)Gregor Raýman: @Luc

Nein, fängt sie nicht!

;-)

(2006-11-03 15:07:09)Sascha Settegast.:

@Luc: Ich denke, man kann die Argumentation die ich oben für Polemik in der Literatur gebracht habe, auch recht problemlos auf Polemik in anderen Bereichen, z.b. im Vortrag oder im Gespräch, übertragen. Und was das Urteil über gute und schlechte Polemik betrifft, so kann man das natürlich auch durchaus polemisch behandeln, das ist aber kein Muss. Man kann auch ganz trocken sachlich an diese Frage herangehen. ;) Wobei ich nun keinen Gegensatz zwischen Sachlichkeit und guter Polemik konstruieren möchte. Objektivität und leidenschaftliche Parteinahme schließen sich m.E. nicht aus.

(2006-11-03 16:22:19)Luc: Objektiv, immer gerne

Das einführen des Ausdruckes "Objektivität" ist schon ein polemisches Grundmuster. Wenn jemand dieses Wort benutzt, wird es meist ganz schlimm. Objektiv, bedeutet übersetzt: "Meine individuelle subjektive Meinung ist, gottgleich unantastbar richtig" plus "common Sense", wer widerspricht ist irre. Das muss ich dann auch mal ganz objektiv hier beisteuern. Ein Wort mit ausschließlich rethorischer Bedeutung.

(2006-11-04 20:07:17)Sascha Settegast.:

Da sind wir geteilter Meinung. Im Gegensatz zu dir, denke ich durchaus, dass es objektive Wahrheiten gibt, und nicht nur subjektive Ansichten, die allesamt gleich-gültig sind. Ich entpuppe mich da als ein Anhänger des alten korrespondenztheoretischen Wahrheitsbegriffes, der Wahrheit als dann gegeben sieht, wenn unsere Interpretation der Fakten mit den Fakten, wie sie tatsächlich sind, korrespondiert. Entsprechend sehe ich auch Objektivität als eine Art Beziehung zwischen Sein und Bewusstsein: Objektivität ist die willentliche Orientierung an den Fakten der Realität mittels Logik, welche die Methode der widerspruchsfreien Identifikation und Integration von Sinnesdaten ist.

(2006-11-06 02:51:36)Luc:

Ja. Man kann es auch noch steigern.

(2006-11-09 21:43:06)Sascha Settegast.:

Wer nichts zu sagen hat, der sollte schweigen; ein Rat, den zumindest Luc beherzigen sollte.

(2006-11-12 01:30:16)Stefan Sedlaczek: Zu Sagen, nicht zu Schweigen

Was weißt Du davon?

(2006-11-13 10:58:16)Gregor Raýman:

Wer von Euch hat behauptet meine Oma kann nich schlittschuhlaufen?!!!111

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