Unsere Minimalstaatler sagen: Staat, das muss schon sein, aber er soll nicht umverteilen. Also: Gerichte, Polizei und Armee, das sind die staatlichen Aufgaben.
Nun ist es aber offensichtlich, dass auch die staatliche Bereitstellung von beispielsweise der Polizei redistributiv wirkt: Nicht jeder wird die selbe Menge Eigentumsschutz wünschen, nicht jeder hat gleich viel zu verteidigen und nicht jeder wird gleich oft zum Fall für polizeilichen Schutz und Ermittlungen.
Nach einiger Überlegung muss ich sagen, dass der Minimalstaat letztlich noch weniger legitimiert werden kann, als der Sozialstaat. Denn wenn die staatliche Bereitstellung von Polizei, Militär und Gerichte umverteilt, von wo nach wo tut sie das denn? Hat ein armer Schlucker Bedarf an Eigentums-, Vertragsschutz, und Schutz des Landes, welches er kaum besitzt? Natürlich nicht. Ist es also ethisch vertretbar, eine Umverteilung von arm nach reich zu befürworten? Mir fällt auf Anhieb keine sinnvolle Argumentation ein. Also gilt: Wer den Minimalstaat will, kann ihn sinnvollerweise nur als Minimal-Sozialstaat wollen. Auf diese Idee ist nun wirklich noch keiner gekommen. Und das ist auch niemals das Ansinnen von Minimalstaatlern gewesen.
Eine Vermutung von mir: In Wahrheit steckt bei den Minimalstaatlern doch wieder nur die Angst vor der Freiheit hinter der Bejahung des Staates, nicht aber die vorgeschobenen Argumente des Schutzes der Eigentumsrechte. Denn nur wer bereit ist, sie zu bezahlen, wird sie de facto auch genießen können.
Andererseits: Staat ist Fakt und wird wohl auch Fakt bleiben. Um ihn sich leisten zu können, sollte man ihn rundweg ablehnen.