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01. November 2006

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Was ist Polemik?  
Sascha Settegast

Polemik ist das schriftstellerische Mittel der überspitzten Darstellung eines Sachverhaltes mit dem Zweck, diesen auf den Punkt zu bringen. Etwas auf den Punkt zu bringen, heißt, dasjenige besonders hervortreten zu lassen, was an einer Sache wesentlich ist im Hinblick auf eine bestimmte Fragestellung oder einen sonstigen Kontext, in dessen Rahmen die Sache behandelt und aus dessen Perspektive sie betrachtet wird.

Gute Polemik hat dabei eine summierende Funktion. Sie stützt sich auf ein stichhaltiges Argument, das parallel geführt wird oder vorausgehend geführt wurde, und bringt dieses durch Überspitzung derart auf den Punkt, dass der Leser unweigerlich zu dem inneren Ausruf genötigt wird: "Ja, genau so ist es!" Gute Polemik bezieht ihre Treffsicherheit -- und damit auch ihre Glaubwürdigkeit! -- aus der Stichhaltigkeit des Argumentes, auf dem sie beruht, wie sie auch diesem wiederum besondere Schlagkraft verleiht.

Schlechte Polemik verfehlt den Punkt. Dies entweder indem sie bei ihrer überzeichneten Darstellung Unwesentliches, das Fehl am Platze erscheint, hervorhebt, oder aber indem sie nur durch ein mangelhaftes oder durch gar kein Argument gestützt wird, oder aber die Überspitzung das Argument nur mangelhaft aufgreift. Schlechte Polemik hängt gleichsam freischwebend in der Luft. Durch ihr pointenloses Überspitzen um der Überspitzung willen wirkt sie aufgeblasen, grotesk und lächerlich.

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14. September 2006

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Das Ziegenproblem jetzt mit neuen Regeln  
Roland Scheel

Jeder sollte das ->Ziegenproblem mittlerweile kennen.

Ich möchte gerne die Regeln ändern:

  • Der Kandidat wählt ein Tor aus, welches aber vorerst verschlossen bleibt.
  • Daraufhin öffnet der Moderator, der die Position des Gewinns NICHT kennt, eines der beiden nicht vom Kandidaten ausgewählten Tore ein beliebiges der drei Tore.

  • Wie soll sich der Kandidat verhalten, wenn der Moderator ihm ein Tor zeigt, hinter dem eine Ziege ist und das nicht das Tor ist, welches der Kandidat ursprünglich gewählt hatte?
    Wie sollte der Kandidat entscheiden, wenn der Moderator ihm ein Tor zeigt, hinter dem eine Ziege ist und das nicht das Tor ist, welches der Kandidat ursprünglich gewählt hatte und der Kandidat darüber hinaus aber nicht weiß, ob der Moderator einer Regel folgt oder nicht?

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    10. August 2006

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    Minimalsozialstaat  
    Roland Scheel

    Unsere Minimalstaatler sagen: Staat, das muss schon sein, aber er soll nicht umverteilen. Also: Gerichte, Polizei und Armee, das sind die staatlichen Aufgaben.

    Nun ist es aber offensichtlich, dass auch die staatliche Bereitstellung von beispielsweise der Polizei redistributiv wirkt: Nicht jeder wird die selbe Menge Eigentumsschutz wünschen, nicht jeder hat gleich viel zu verteidigen und nicht jeder wird gleich oft zum Fall für polizeilichen Schutz und Ermittlungen.

    Nach einiger Überlegung muss ich sagen, dass der Minimalstaat letztlich noch weniger legitimiert werden kann, als der Sozialstaat. Denn wenn die staatliche Bereitstellung von Polizei, Militär und Gerichte umverteilt, von wo nach wo tut sie das denn? Hat ein armer Schlucker Bedarf an Eigentums-, Vertragsschutz, und Schutz des Landes, welches er kaum besitzt? Natürlich nicht. Ist es also ethisch vertretbar, eine Umverteilung von arm nach reich zu befürworten? Mir fällt auf Anhieb keine sinnvolle Argumentation ein. Also gilt: Wer den Minimalstaat will, kann ihn sinnvollerweise nur als Minimal-Sozialstaat wollen. Auf diese Idee ist nun wirklich noch keiner gekommen. Und das ist auch niemals das Ansinnen von Minimalstaatlern gewesen.

    Eine Vermutung von mir: In Wahrheit steckt bei den Minimalstaatlern doch wieder nur die Angst vor der Freiheit hinter der Bejahung des Staates, nicht aber die vorgeschobenen Argumente des Schutzes der Eigentumsrechte. Denn nur wer bereit ist, sie zu bezahlen, wird sie de facto auch genießen können.

    Andererseits: Staat ist Fakt und wird wohl auch Fakt bleiben. Um ihn sich leisten zu können, sollte man ihn rundweg ablehnen.

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    13. Juni 2006

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    Nein, der Etatismus ist kaum liberal  
    Gregor Raýman

    In einem ->interessanten Beitrag beschäftigt sich der Freiheitswächter Sascha Vetterle mit der Abgrenzung von seiner Sicht auf den „wahren Liberalismus“ - den Civilianismus - von dem „Individualismus“ und von dem „Ökonomismus“.

    Ich bin mit Sascha insofern einverstanden, dass ich weder die Beliebigkeit, die Sascha „Individualismus“ nennt, noch die liberale Wirtschaftspolitik alleine nicht für „den Liberalismus“ halte. Allerdings reicht die Kritik an diesen nicht aus, um den „wahren Liberalismus“ zu definieren. Ich habe von Saschas Texte eher das Gefühl, paar Strohmanargumente gelesen zu haben.

    Eigentlich ist das ganz Einfach. Der Liberalismus richtet sich nach dem Motto: „Leben und Leben lassen“. So muss die Beliebigkeit und Toleranz genauso zum Liberalismus gehören, wie die Beständigkeit und die Verpflichtung Verträge einzuhalten. Der echte Liberalismus muss genauso die Freiheit zu Wirtschaften genauso beinhalten, wie zum Beispiel die Freiheit des Redens oder des Denkens.

    Sascha schreibt:

    Anders als der Individualismus sieht der Civilianismus den Menschen nicht vorrangig als Individuum, das quasi ohne Staat und ohne jede Abhängigkeit bestehen könnte, sondern als cives, als Bürger, eingebunden in ein Verhältnis mit dem Staat und anderen gesellschaftlichen Kräften

    Ich habe große Zweifel, ob man eine solche Ideologie als liberal bezeichnen kann. Ich würde den Civilianismus eher unter „Etatismus-Light“ einordnen. Denn jemand der harmlose Comics und Filme verbieten will, nur weil sie seiner Religion widersprechen; jemand, der sich ungefragt in das Leben anderer Menschen gegen ihren Willen einmischen möchte, kann kaum ein Vertreter eines „wahren Liberalismus“ sein.

    So kann der Civilianismus eine interessante, vielliecht sogar eine liberale, Ideologie sein. Er ist aber kaum der „einzig wahre Liberalismus“.

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    05. März 2006

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    Kultivierte Aggression  
    Roland Scheel

    Wenn ich in alten Büchern lese, in dem Liberale Stellung zur Demokratie beziehen, dann zeichnen diese das Bild eines demokratischen Staates, in dem das politische Wirken auf die Sicherstellung der Kooperation abzielt. Ausgehend von der Bestie Mensch, die unzivilisiert den größten Nutzen im Überfallen seiner Mitmenschen sehen kann, führt die Kultur den Menschen zur Zurückdrängung der triebhaften Bedürfnisse hinter rationale Überlegungen, die im Nutzenkalkül die Überlegenheit der Kooperation unzweifelhaft logisch herleiten können. In diesen Büchern wird die Frage nicht erörtert, ob die unmittelbare Befriedigung triebhafter Bedürfnisse auch ungehemmt obwohl "zivilisiert" erfolgen kann, insbesondere im Hinblick auf den demokratischen Staat.

    Wenn ich heutige moderne Demokratien als empirisches Kriterium zur Erörterung der Frage nehme, ob die Menschen durch die Einführung der Demokratie zu kooperativem Verhalten bewogen werden, dann muss ich im Gegenteil festellen, dass die Befriedigung niederer Triebe wie beispielsweise des Raubes durch die demokratische Verfassung ein Mittel erfährt, welches hocheffektiv wirkt.

    Während in einer Urgesellschaft der Dieb nur dasjenige Eigentum apropriieren konnte, welches sich ihm direkt physisch dargeboten hat, so kann der Dieb heute über das Instrumentarium der Politik den Zugriff auf Eigentum dergestalt erweitern, dass er nicht mehr durch sein physisches Vermögen beschränkt ist. Jedwedes Eigentum im Herrschaftsgebiet des demokratischen Staates kann dem Dieb nutzbringend zugeführt werden.

    Diesem Umstand gilt es heute Rechnung zu tragen und die Überlegungen der Liberalen des neunzehnten Jahrhunderts dahingehend zu erweiteren, ob das Anreizsystem, welches die heutigen Demokratien erzeugen, tatsächlich geeignet ist, die gesellschaftliche Kooperation zu Lasten der Barbarei zu fördern.

    Es ist nämlich keineswegs so, dass den "Anwendern der Demokratie" die philosophische Bedeutung dieser Staatform bewusst wäre. In unserer Welt erweitert die Demokratie nur die zur Verfügung stehenden Mittel zur Durchsetzung von Interessen. Sie impliziert keine Zustimmung zum Ideal der Kooperation. Ein Vertständnis über die nutzenmehrende Wirkung von Arbeitsteilung und Zusammenarbeit wird allein durch die Demokratie nicht vermittelt. Vielmehr ist die Kenntnis dieses Umstandes Grundlage für das Funktionieren des demokratischen Staates, ohne diese Kenntnis würde die Demokratie in kürzester Zeit zum Beispiel einer umfassenden Allmende, in der die Ressourcen der Gesellschaft vollständig der Vernichtung durch Übernutzung preisgegeben werden.

    Der Mensch erhält Kenntnis vom kausalen Zusammenhang zwischen kooperativem Verhalten und der Mehrung seines Nutzens durch die Erfahrung, dass er als Einzelner weniger seinem Zwecke dienlich zu bewegen vermag, als er es in der Gesellschaft kann. Diese Kenntnis setzt vorraus, das entsprechende Erfahrungen gemacht werden. In einer Demokratie kann der Mensch aber ohne kooperatives Zutun seinen Nutzen mehren, ohne die Erfahrung der negativen Konsequenzen des asozialen Verhaltens zu spüren zu bekommen, denn die Geschädigten sind für ihn hinter einem anonymisierenden Schleier verborgen, und auch die Schädigung, die auf ihn zurückwirkt, stellt sich ihm in keinem klaren Ursache-Konsequenz-Schema mehr dar. Es ist also zu erwarten, dass die Demokratie an sich das asoziale Verhalten fördert. Und das nicht, weil der Mensch schlecht ist, sondern weil ihm Lernerfahrungen vorenthalten werden.

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    10. Januar 2006

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    Wenn 20 Milliarden...  
    Gregor Raýman

    der Konjunktur helfen, wäre es nicht besser der Konjunktur gleich mit 25 Billionen zu helfen? Ich meine, je mehr Konjunktur, desto besser.

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    15. Dezember 2005

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    Rätsel: Irakwahl  

    Kleines Rätsel:

    Frage:
    Warum gehen die Iraker zur Wahl?

    Die Antwort finden Sie auf der nächsten Seite

    Seiten: 1 2 >>

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    11. Oktober 2005

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    Quadratur des Kreises  
    Gregor Raýman

    Mehr als zweitausend Jahre versuchten die Mathematiker die drei klassischen Probleme der antiken Mathematik zu lösen. Nur mit Hilfe eines Zirkels und eines Lineals mit endlich vielen Schritten folgendes zu konstruieren:

    • die Quadratur des Kreises
    • die Drittelung eines beliebigen Winkels
    • und die Erzeugung eines Würfels mit doppeltem Volumen (das Delische Problem)

    Erst im neunzehnten Jahrhundert haben die Mathematiker Carl Friedrich Gauß, Evariste Galois, Pierre Laurent Wantzel und Ferdinand von Lindemann bewiesen, dass dies nicht möglich ist.

    Doch, obwohl die Unmöglichkeit der Lösung der Aufgaben bewiesen ist, gibt es immer noch Leute, die nach einer Lösung suchen. Sie erfinden immer neue und immer falsche Lösungen, und können und wollen nicht akzeptieren, dass ihre Mühen zum Scheitern verurteilt sind. Oft nimmt deren Leidenschaft selbstzerstörerische Züge an. Sie glauben in ihrem Wahn, dass sie Opfer einer Verschwörung der Mathematiker geworden sind, und versuchen immer wieder und wieder die Menschheit von der Richtigkeit ihrer Lösung zu überzeugen.

    Quadratur des Kreises Dabei sind, und lieber Leser, sei jetzt nicht überrascht, alle drei Aufgaben tatsächlich lösbar. Man muss bloß die Bedingungen ändern und anderes Werkzeug zur Hilfe nehmen.

    Eine Quadratur des Kreises (also ein Quadrat mit der gleichen Fläche als der Kreis) zu konstruieren, ist leicht, wenn man zusätzlich zu dem Zirkel und dem Lineal auch eine Schere nimmt. Man bildet einen Zylinder mit einer Höhe, die dem Radius gleicht. Dann zerschneidet man den Zylinder und wickelt sein Mantel ab. Die Fläche des Mantels ist doppelt so groß, wie die Fläche des Kreises. Der aufgewickelte Mantel ist ein Rechteck, dessen Quadratur man leicht in paar Zügen mit einem Zirkel und einem Lineal konstruieren kann. Ich habe hier eine kleine Skizze beigelegt, die die Vorgehensweise illustriert.

    Wie man einen beliebigen Winkel in drei gleich große Teilwinkel teilen kann und wie man einen Würfel mit doppeltem Volumen des ursprünglichen Würfels konstruieren kann, werde ich hier nicht detailliert beschreiben - das herauszufinden soll eine kleine Aufgabe für zwischendurch bleiben. Der folgende Tipp müsste reichen: Bei der Dreiteilung hilft eine Schere, bei dem Delischen Problem ein voller Eimer.

    Warum ich aber ausgerechnet in diesem Blog über Mathematik schreibe? Nun, ich sehe eine Analogie zur Politik. Ich sehe, dass man bestimmte Probleme immer wieder zu lösen versucht, und das immer wieder mit den falschen Mitteln. Zirkel und Lineal Hammer und Sichel, ein Bündnis für Arbeit oder der Kündigungsschutz helfen gegen die Arbeitslosigkeit in Deutschland genauso wenig, wie die Entwicklungshilfe gegen den Hunger in Afrika.

    Schade, dass es in der Politik keinen Gauß, Galois, Wantzel und von Lindemann geben kann. Denn wenn die Politik nur mit den Mitteln weitermacht, mit denen sie schon immer gescheitert ist, bleiben die Probleme unlösbar. Genau wie die Quadratur des Kreises mit nur einem Zirkel und einem Lineal.

    Nachtrag: Die Quadratur des Kreises kann man tatsächlich auch nur mit einem Zirkel und einem Lineal konstruieren. Allerdings braucht man dazu unendlich viele Schritte. So langsam fange ich an, die Absichten der Politiker zu verstehen :-/

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