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17. Mai 2006

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Zirkelschlüsse  
Roland Scheel

Ich bin auf das Phänomen des ->"reswitching" gestoßen. Eigentlich ein sehr interessantes Phänomen, weil es im Grunde ungewollt die österreichische Schule der Ökonomie bestätigt.

Kern des Vorwurfes gegen die Neoklassik ist, dass der Wert zweier Kapitalgüter relativ zueinander vom Zinssatz abhängt und daher real in Geldeinheiten nicht ausdrückbar ist. Es handelt sich tatsächlich um einen Zirkelschluss.

Zur schnellen Selbstberechnung folgende Vorstellung:

Morgen kommt eine Fee und bietet zwei Maschinen an, die man kostenlos wählen kann. Beide Maschinen sind nichts wert, bis auf, dass sie Güter produzieren und sie benötigen keinerlei Input:

Maschine A produziert dieses Jahr ein Gut im Marktwert von 2 Euro, im nächsten nichts und darauf ein Gut im Marktwert von 12 Euro. Maschine B produziert dieses Jahr kein Gut, im darauffolgenden ein Gut im Marktwert von 13 Euro und im Jahr danach wiederum nichts.

Das Gegenüber der Fee ist ein böser Kapitalist.

Wie entscheidet er sich bei einem Marktzins von 0%, 100%, 1000%?

Ganz einfach. Bei 0 % nimmt er Maschine A, bei 100% Maschine B und bei 1000% wieder Maschine A. Also kann zinsunabhängig nicht gesagt werden, ob A < B oder B < A, das heißt, der "reale" Wert der Maschine ist zinsabhängig. (Barwertberechnung: 2*1+0*1+12*1>0*1+13*1+0*1 und 2*1+0*0,5+12*0,25<0*1+13*0,5+0*0,25 und 2*1+0*0,1+12*0,01>0*1+13*0,1+0*0,01)

Zweifellos ist dies ein lupenreiner Beweis dafür, dass Kapital nicht real (also ohne Zinseinflüsse) messbar ist, was also auch Kapitalstockberechnungen (als Aggregat) unmöglich macht.

Aber die Neoricardianer haben ein Eigentor geschossen. Sie nehmen homogene Arbeit an. Aber auch Arbeit leitet sich als Größe von ihrer Produktivität ab, ob sie nun messbar ist oder nicht. Ich könnte den Kapitalstock nämlich ebensogut in Kilogramm statt Euro messen, und dann wäre ich genauso exakt, wie wenn ich Arbeitsstunden * Konstante als Bezug nähme. Die Marxsche Arbeitswerttheorie hat nur deshalb auf die Arbeit aufgesetzt, weil sie das einzige ist, was halbwegs sinnvoll in einer Maßeinheit messbar ist. Das sagt aber nichts über ihren Wert aus. Im obigen Beispiel könnte ich ja auch jedes Jahr eine Zwiebel produzieren mit dem Arbeitseinsatz von im ersten Jahr 2 Stunden, danach null, dann zwölf gegen 0 Stunden, 13, 0.

Wirtschaft ist in der Tat selbsreferentiell und besteht weit mehr aus Rückkoppelungen als aus objektiven Wertgrößen. Nachdem klar ist, dass noch nicht einmal intrapersonell intertemporale Nutzenvergleiche möglich sind, weil das zu Widersprüchen führt, kann man ruhig die Frage stellen, warum man überhaupt Volkswirte braucht. Einen Ingenieur brauche ich, weil er Blaupausen machen kann. Ein Volkswirt wird mir im besten Fall attestieren, dass ich keine Handlung ergreifen muss, das ist schon alles in Ordnung so. Aber gleichzeitig ist das keine überzeugende Begründung dafür, dass ich ihm ein Gehalt zahlen sollte.

Eigentlich sind die verschiedenen ökonomischen Schulen zurückführbar auf die Frage, wo sie willkürlich den Zirkelschluss des Wertes (der nach österreichischer Meinung nur subjektiv existiert und sich als Marktpreis nach Maßgabe des Grenznutzens ableitet) zertrennen. Die einen setzen das Kapital als reale Größe, die nächsten nehmen die Arbeit. Ist es denn so schwer, einfach einmal anzuerkennen, das nur der Mensch einer Sache Wert geben kann? Der Zwiebel, der Stunde Arbeit, dem Euro und der Zukunft?

Alles ist inhomogen!

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