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09. Oktober 2005

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Problem der Gewerkschaften (Update)  
Gregor Raýman

Zuerst muss ich sagen, dass ich die Idee einer Gewerkschaft sympatisch finde. Eine Gewerkschaft ist ein Kartell der Arbeitnehmer, das durch die Kartellbildung den Marktwert ihrer Arbeit erhöhen möchten.

Außerdem sind die Gewerkschaft ein schönes Beispiel, wie freiwillig kooperierende Menschen sich auch ohne staatliche Unterstützung, ja sogar gegen den Widerstand des Staates, organisieren können um ihre Interessen durchzusetzen.

Ich habe grundsätzlich nichts gegen die Bildung von Kartellen, solange diese nicht mit marktfremden Mitteln ihre Interessen durchsetzen und um ihre Markanteile kämpfen.

Gegen wen müssen die Kartelle aber kämpfen? Es sind nicht deren Kunden - es sind die außenstehenden Anbieter, die nicht zum Kartell beigetreten sind, in der Hoffung, dass sie mehr Profit im Wettbewerb als in dem Kartell erwirtschaften können. Aus der Sicht der anderen Marktteilnehmer ist ein Kartell „nur“ ein großer Anbieter, der gegen seine Wettbewerber um die Martkanteile kämpfen muss. Wird der Marktanteil eines Kartells zu klein, muss es versuchen die anderen Wettbewerber ins Kartell zu integrieren, oder sie durch die Macht eines Großanbieters vom Markt verdrängen.

Die entscheidene Frage ist, welche Mittel ein Kartell einsetzt, um seine Wettbewerber vom „seinem“ Markt fernzuhalen. Sind es Mittel des Marktes? Oder greift das Kartell zur Gewalt? Einem Kunden die Zusammenarbeit aufzukündigen, wenn er sich auf die Geschäfte mit einem anderem Anbieter einlässt, oder einem anderem Kunden extrem günstige Kondizionen anzubieten (Dumping) sind zulässige Mittel. Dem abtrünnigen Kunden oder dem Wettbewerb mit Gewalt zu drohen, sind es nicht. Zur Gewaltandrohung muss man hier auch die Nutzung der staatlichen Gewalt zählen. Schutzzölle, Einfuhrverbote, staatliche Regulierung des Marktes zu Gunsten eines Kartells sind ebenso marktfremd, wie der Baseballschläger in der Hand eines „Vertrieblers“.

Die Gewerkschaften haben große Errungenschaften für Ihre Mitglieder erkämpft. Sie haben es geschafft, weil sie einen beherrschenden Anteil der Arbeitskraftanbieter in ihrem Kartell vereinen konnten. Doch dies konnten sie nur deswegen erreichen, weil die Rahmenbedingugen aller Arbeitskraftanbieter in ihrem regional begrenzten Mark einigermaßen ausgeglichen waren.

Mit der Globalisierung drängen jedoch andere Arbeitskraftanbieter in den Markt ein, für die die Mitgliedschaft in den deutschen Gewerkschaften keine Option ist. Eine deutsche Gewerkschaft kann einem indischem oder einem polnischen Arbeitnehmer die Mitgliedschaft in ihrem Kartell nicht anbieten - das einzige, was einer deutschen Gewerkschaft übrig bleibt, ist der Versuch ihre auländische Wettbewerber und inländishce Arbeitslose von dem Markt fernzuhalten.

Sie kann es mit den fairen Mitteln wie Streik versuchen (sich um Lohndumping zu bemühen kann sich eine deutsche Gewerkschaft nicht leisten), oder sie kann es mit der Gewalt probieren.

Bisher haben sich die Gewerkschaften eher der staatlich organisierten Gewalt bedient, um die Interessen ihrer Mitglieder gegen die Ausländer und die Arbeitslosen zu schützuen. Die Tarif„autonomie“, das Entsendegesetz, die eingschränkte Freizügigkeit der Arbeitnehmer aus den neuen EU-Ländern, das alles sind staatliche Eingriffe in den Arbeitsmark, die die Intressen der Gewerkschaftskartelle marktfremd durchsetzen.

Diese staatlichen Maßnahmen habe ihre Wirkung, doch anscheinend reichen sie nicht. Warum sonst würde Klaus Wiesehügel nichtgenehmen Unternehmen mit Eingreiftruppen drohen, deren genaue Tätigkeitsbeschreibung er wegen möglichen strafrechtlichen Relevanz nicht publizieren möchte?

Zum Thema: ->Artikel in FTD

Update: 2005-10-09

Ich konnte das Zitat lange nicht finden. Dank des WDR bin ich doch drangekommen:

Klaus Wiesehügel - Bundesvorsizender der IG BAU:

Wir werden noch in diesem Jahr mit dem Aufbau einer schnellen, zentral geführten Eingreiftruppe beginnen. Was deren Aufgabe sein wird, werde ich hier nicht weiter öffentlich darlegen, damit es in zu erwartenden Strafgerichtsprozessen nicht gegen uns verwendet werden kann.

Wie schon gesagt, ich akzeptiere, wenn die Gewerkschaften mit Streiks, Boykotts, Mahnwachen, Demonstrationen und ähnlichen Mitteln kämpfen - auch wenn ich nicht immer mit deren Zielen einverstanden bin. Doch wenn die Gewerkschaften den Boden der Rechtstaatlichkeit verlassen wollen, geht es mir entscheidend zu weit. Wenn eine Gewerkschaft zu einer Form der organisierten Kriminalität wird, welche legale Möglichkeit ihre Interessen durchzusetzen, bleibt dann den anständigen Arbeitnehmern?

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(2005-10-08 16:05:34)bloggnjus: Nichts gegen Marktwirtschaft

Hallo, da bin ich voll deiner Meinung, ich habe nichts gegen Marktwirtschaftler "solange diese nicht mit marktfremden Mitteln ihre Interessen durchsetzen". Leider gibt es immer wieder böse Menschen die sich nicht an die Regeln halten. Überhaupt was ist marktfremd? MS-Verstösse gegen das Kartellgesetz der EU? Berlusconis rege Beteiligung an der italienische Medienlandschaft? Die Bilanzfälschungen bei Paramlat oder Enron? Die Vergabe von milliardenschweren Aufträge durch das Pentagon? Die Tatsache, dass Deutsche Post, DHL und Telekom eine marktbeherrschende Stellung haben und diese mit Unterstützung der Politik auch gerne ausnutzen?

Marktwirtschaft könnte so schön sein, wenn sich nur alle an ihre Regeln halten würden und nicht zu marktfremden Mitteln greifen würden. Leider zeigt sich hier der Makel der Marktwirtschaft, nämlich dass zahlreiche Branchen, bedingt durch hohe Markteintritttskosten, einfach zu Oligopolen neigen, Beispiele: Energie, Telekommunikation, Betriebssysteme. Da man also zur Regulierung des Marktes wieder den Staat braucht, ist das wohl auch nur eine nette Idee die leider nie funktionieren wird. Die Veflechtungen von Politik und Wirtschaft sind wohl in jedem Land ziemlich eng. Man denke nur an die SPD und VW, oder die Ostseepipeline die E.ON, BASF und Konsorten auch nur durch gute Beziehungen zur Politik bekommen haben, oder ELF und die guten Beziehungen zur Treuhand.

Und ganz nebenbei alle Gesetze werden "völlig marktfremd" vom Bundestag beschlossen, der ist immer noch demokratisch organisiert und keine Aktiengesellschaft.

(2005-10-09 22:09:24)Gregor Raýman: Nichts gegen Monopole

Hallo Bloggnjus,

es stimmt zwar, dass Monopole von dem Verbraucher mehr verlangen können, als sich konkurrierende Anbieter, dennoch denke ich, dass es zulässig ist, wenn Monopole ihre Macht nutzen. Ich finde es zwar unangenehm aber in Ordnung, wenn z.B. Microsoft Dell vor die Wahl steht: Entweder verkaufst Du Linux oder Du kriegst Windows billiger. Ich werde mich nicht beschweren, wenn Oracle alle Datenbankanbieter aufkauft und die Preise verzehnfacht oder wenn der Erfinder eines AIDS- oder Vogelgrippeimpstoffes hunderttausend Euro pro Therapie verlangt...

Problematisch wird es nur, wenn der Monopolist zur Gewalt greift. Wenn MS jemanden vor die Wahl stellt: "Entweder verkaufst Du Windows, oder wir brechen Dir die rechte Hand", gehen die zu weit. Zu dieser Gewalt zähle ich auch die Verwendung der staatlichen GewaltMONOPOLS. Wenn der Staat es jemanden verbietet, Telephoniedienstleistungen anzubieten, geht er zu weit. Wenn er es verbietet, Briefe unter 50g zu befördern, geht er zu weit. Wenn er es verbietet, unterm Tarif zu arbeiten, schützt er den Gewerkschaftskartell mit marktfremden Mitteln.

Doch auch dieser staatliche Schutz kann die Macht der Gewerkschaften nicht erhalten. Die Kraft der Globalisierung und die Preise für die Arbeitskraft zu unterschiedlich. Die Arbeitnehmer, die in dem Arbeitnehmerkartell zwangsweise gehalten werden - ja auch die, die nicht in einer Gewerkschaft organisiert sind - sind die eigentlichen Verlierer. Denn sie sind weniger flexibel, als das Kapital.

Dass die staatliche Gewalt nicht reicht, das hat Wiesehügel korrekt erkannt. Doch er zieht falsche Schlüsse. Er will seine Macht durch mehr Gewalt seine Macht erhalten. Es könnte ihm, im Stile eines Mafiabosses, auch gelingen. Doch die leidtragenden werden die Arbeitnehmer, die er zu schützen vorgibt, sein.

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