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05. November 2005

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Her mit der Vermögensteuer  
Roland Scheel

->Her mit der Vermögensteuer. So jedenfalls fordern es Reiche, die geistig noch reicher sind als materiell, beispielsweise Günter Grass.

Ich erspare mir jetzt lange Worte, sondern schreibe ein paar Definitionen und Formeln hier hin:

Erst einmal ist Vermögen wertmäßig identisch mit dem Barwert der realisierten Erträge bis zur vollständigen Abschreibung. Die durchschnittliche Rendite von Vermögen entspricht dem Marktzins. Vermögen geht aus der Erzielung von Einkommen hervor. Einkommen wird bei seiner Entstehung besteuert (EKSt), bei seiner Verwendung als Konsum (MwSt) und bei seiner Verwendung als Sparleistung (= Investition)(Vermögensteuer).

Der Barwert der auf Vermögen anfallenden Besteuerung ist Vermögen * Vermögenssteuersatz / Marktzins.
Einkommen wird verwendet als Konsum und Investition. Einkommen wird unter Zuhilfenahme des Barwertes der auf Vermögen entfallenden Steuern bei der Konsumquote c, dem EKSt-Satz e, dem Marktzins z, dem Vermögensteuersatz v und dem MwSt-Satz m wie folgt besteuert:
Steuer = Einkommen*e+Einkommen*(1-e)*c*m+Einkommen*(1-e)*(1-c)*v/z

Wir sehen also: Die Vermögenssteuer fällt für jenes Einkommen an, welches nicht konsumiert wird. Statt das Vermögen zu besteuern könnte auch das Einkommen wie folgt besteuert werden (ergibt sich aus Umstellung der vorgenannten Formel, recht trivial):
Steuer = Einkommen *c*(e+(1-e)*m) + Einkommen * (1-c) * (e+(1-e)*v/z)
Jetzt kann ich zwei neue Sätze für m und v so festlegen:
m' = e+(1-e)*m
v' = e*z+(1-e)*v
Danach sieht die äquivalente Formel so aus: Steuer = Einkommen * c * m' + Einkommen * (1-c) * v'/z
Huch, da gibt es ja gar keine Einkommensteuer mehr, sondern nur noch Verwendungssteuern. Tja Leute, die Mathematik ist unbestechlich!

Nun ist es also das Ansinnen der Brechts & Co, die Vermögensteuern zu erhöhen. Bei gleichem Steueraufkommen bedeutet das, die Konsumsteuer zu senken. Wie werden Vielverdiener also reagieren? Nach meinen Dafürhalten wird Konsum billiger, Investition teuerer, also folgt: Die Reichen werden ihr Vermögen lieber verfressen, als es der Besteuerung zu unterwerfen. Die Konsumnachfrage wird entsprechend steigen, die Konsumentenpreise werden steigen, Geringverdiener werden einen Kaufkraftrückgang hinnehmen müssen, Vermögende werden durch Erhöhung des Konsums der Investitionssteuer ausweichen und so ihre Steuerquote senken. Die Investitionen werden zurückgehen und damit die Produktivität der Arbeitnehmer, damit einhergehend ihre Löhne.

Offensichtlich ist es der Wunsch der Proponenten der Vermögenssteuer, die Reichen endlich zu einem Leben in Saus und Braus zu zwingen. Das nenne ich doch mal sozial gerecht.

Nachtrag: Natürlich kann man die Vermögensteuer auch einfach wieder durch eine EKSt ersetzen:
e'' = v'/z
m'' = ((1-v'/z)*m'-v'/z)
v'' = 0
Steuer = Einkommen*e'' + Einkommen*c*m''
Oder ich kann natürlich auch die MwSt völlig streichen. Diese Umformung kann jeder nach Belieben als Hausaufgabe betrachten.

permalink

(2005-11-05 15:51:13)Klaus Brüssel: Zu spät

für komplizierte Rechnungen: die Reichensteuer ist beschlossen und vielleicht kommt als Sahnehaube obendrauf noch eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes.

Die armen Reichen, *schnief*

(2005-11-05 16:06:37)Roland Scheel: Siehe oben

Die Erhöhung der Einkommensteuern (in diesem Fall: für Vielverdiener) führt zu einer relativen Preissenkung von Konsumausgaben für Vielverdiener sowie zu einer relativen Erhöhung des Konsums der eigenen Arbeitskraft im Vh. zur arbeitsteiligen Verwertung derselben.

Also werden Vielverdiener durch Einführung dieser Steuern mehr fressen und sich danach eine ordentliche Portion Freizeit gönnen.

Zahlen wird's durch die elastischen Preise der Geringverdiener.

Prost!

(2005-11-05 16:43:45)Klaus Brüssel:

"Zahlen wird's durch die elastischen Preise der Geringverdiener."

Ich wusste es doch, dahinter stecken doch wieder die Neoliberalen ;-)

Aber mal im Ernst, was würdest Du vorschlagen ?

(2005-11-05 18:03:18)Roland Scheel:

Ich will glaube ich zum Thema Steuern gar nichts vorschlagen.

Im Ausdenken neuer Steuern sind andere viel besser als ich.

(2005-11-05 18:13:39)Klaus Brüssel: Du bist Bundeskanzler

Also keine neuen Steuern, keine Steuererhöhungen ...

Also wo würdest Du sparen ? Bitte pragmatische Ideen (sollten nicht einen utopischen libertären Staat vorraussetzen)

(2005-11-05 22:35:16)Stefan Sedlaczek: Pragmatisch?

Ein wichtiger Schritt wäre die Flat-Tax. Die Slowakei hat 19 %. Da könnte Deutschland (Du und ich, wir alle) locker 25 % realisieren. Auf alles, egal, welche Steuerart: Es werden 25 % genommen. Steuerarten, die das nicht verkraften, werden abgeschafft. Hätte auch keine Probleme das Existenzminimum steuerfrei zu stellen, allerdings als Freibetrag, bei dem nur das bspw. übersteigende Einkommen mit 25 % versteuert wird. Das sorgt dafür, daß sich mehr arbeiten auch lohnt.

Der ganze kommunistische Quatsch von Deutscher-Einheitsrente bis Gesetzlicher-Krankenversicherung gehört natürlich privatisiert.

Dann werden sukzessive die Leistungen des Staates zusammengestrichen und die Flat-Tax gleichermaßen gesenkt.

P.S.: Natürlich kann man das so nicht machen, das wäre zwar pragmatisch möglich, aber politisch desolat: Allein der einsetzende Wirtschaftsaufschwung würde wohl die Deutschen noch übermütiger machen. Und die sollen schließlich so frustriert sein wie heutzutage. Ist einfach besser.

(2005-11-06 03:33:16)Ryker:

>>>...folgt: Die Reichen werden ihr Vermögen lieber verfressen, als es der Besteuerung zu unterwerfen...<<<

Wie heisst es doch so schoen: "Was ich gegessenund getrunken habe, kann mir keiner mehr wegnehmen"

(2005-11-06 17:23:47)Karsten Dürotin:

Nun, dass die Besitzer großer Vermögen weniger sparen und mehr zum Konsum beitragen sollen, ist wohl durchaus das Ziel einer solchen Steuer. Und auch, wenn es die Löhne senken würde, könnte es doch auch zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum beitragen und damit Arbeitsplätze schaffen. Wenn der Staat einen Schwachen sucht, um den er sich kümmern kann, dann sind Arbeitslose doch eine bessere Zielgruppe als diejenigen, die Arbeit haben...

(2005-11-06 17:44:49)Gregor Raýman: Wer ist eigentlich reich?

Was ist eigentlich Reichtum?

Wäre ich Reich, wenn mir eine Milliarde auf einem gesperrten Konto gehören würde, so dass ich mit dem Geld nicht machen könnte? Wohl kaum. Denn zum Eigentum und somit auch zum Reichtum gehört auch die Möglichkeit, das Eigentum einzusetzen, es zu investieren, es zu verbrauchen usw.

Ein "Reicher", der mit seinem Eigentum nicht disponieren kann, ist also nicht wirklich reich.

Doch was ist mit Leuten, die mit viel Geld disponieren können, das ihnen gar nicht gehört? Sie haben durchaus die Macht, sie sind tatsächlich reich.

Und so ist Hans Eichel oder demnächst Peer Steinbrück eigentlich viel reicher als die Aldi-Brüder oder Bill Gates.

Es bleibt die Frage: Was machen die Reichen, denen ihr Reichtum wirklich gehört, anders als dei Reichen, die fremdes Geld "verwalten". Warum glaubt man, Peer Steinbrück wird mit dem Geld besser umgehen als diejenigen, die es erwirtschaftet haben? Kann er es wirklich effektiver, sinnvoller oder meintetwegen "sozialer" einsetzen?

Ich habe da meine Zweifel.

(2005-11-07 16:35:46)Holk:

Ja Gregor, wir brauchen wirklich (endlich) wieder einen

Kaiser dem auch echt alles hier gehören tut :-)

Ich schmeiss mich weg :-)

(2005-11-07 16:39:53)Gregor Raýman:

@Holk:

Wer seit ihr? Und wozu braucht ihr einen Kaiser?

(2005-11-07 18:12:07)Holk:

Herrjeh - ein wahrer Hundertsassa

(2005-11-07 18:17:26)Holk:

Link zum Thema

www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID4930978_REF1,00.html

(2005-11-07 18:27:23)Gregor Raýman:

@Holk:

Irgendwie ist mir nicht ganz klar, was Du mir sagen möchtest. Hast Du Dich schon weggeschmissen? ;-)

(2005-11-08 00:54:20)Holk:

hier hast Du Deine Zweifel und dort ist Dir etwas nicht ganz klar .. Mensch .. Fragen über Fragen

Aber gut, dass Roland alles ausgerechnet hat.

Demnach wird die Vermögenssteuer also zum Hartz IV

unserer Spitzenverdiener. Die Leute haben dann jetzt auch

einfach keine Lust mehr und die Nase gestrichen voll.

Arbeit lohnt sich so echt nicht mehr!

Nun gut, was solls - einfach einpacken, aufhören und

endgültig schlussmachen. Dann lieber das Leben in Saus und Braus geniessen. Für einen Euro Netto bewegt sich doch

heutzutage keiner mehr. Ende der Fahnenstange. Mir

mir nicht!

Mensch Leute .. Ich will doch blos spielen .. ein bischen Spass muss sein. Nehmt euch doch nicht selbst zu ernst ;-)

(2005-11-08 01:03:10)Holk:

Wir können alle massiv einsparen, wenn wir uns ab sofort

von purem Licht ernähren:

htt p://welcome.to/licht

(2005-11-08 12:10:22)Dirk: Eichel Hans

Eichel Hans ist nicht nur reich, wenn man seine (bald) ehemalige Verfuegungsbefugnis ueber fremde Vermoegen hinzurechnet. Denn nach Kasseler Geruechten besitze der ehemalige OB in seiner Stadt ca. 60 Eigentumswohnungen.

(2005-11-08 17:43:17)Roland Scheel: Und wenn Eichel die Eigenheimzulage gestrichen hätte

sann wären seine Mieteinnahmen auch gestiegen. Schließlich steigt dann die Mietnachfrage.

(2005-11-09 11:44:11)Dirk: TANSTAA ...

... Disinterested Politician. Eichel Hans liefert ein schoenes Beispiel ab.

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