| Blog Aggregat Impressum

Kategorien

Notausgang

Notausgang!
RSS 0.91 Atom Blogaggregat

05. November 2005

icon /geld
Her mit der Vermögensteuer  
Roland Scheel

->Her mit der Vermögensteuer. So jedenfalls fordern es Reiche, die geistig noch reicher sind als materiell, beispielsweise Günter Grass.

Ich erspare mir jetzt lange Worte, sondern schreibe ein paar Definitionen und Formeln hier hin:

Erst einmal ist Vermögen wertmäßig identisch mit dem Barwert der realisierten Erträge bis zur vollständigen Abschreibung. Die durchschnittliche Rendite von Vermögen entspricht dem Marktzins. Vermögen geht aus der Erzielung von Einkommen hervor. Einkommen wird bei seiner Entstehung besteuert (EKSt), bei seiner Verwendung als Konsum (MwSt) und bei seiner Verwendung als Sparleistung (= Investition)(Vermögensteuer).

Der Barwert der auf Vermögen anfallenden Besteuerung ist Vermögen * Vermögenssteuersatz / Marktzins.
Einkommen wird verwendet als Konsum und Investition. Einkommen wird unter Zuhilfenahme des Barwertes der auf Vermögen entfallenden Steuern bei der Konsumquote c, dem EKSt-Satz e, dem Marktzins z, dem Vermögensteuersatz v und dem MwSt-Satz m wie folgt besteuert:
Steuer = Einkommen*e+Einkommen*(1-e)*c*m+Einkommen*(1-e)*(1-c)*v/z

Wir sehen also: Die Vermögenssteuer fällt für jenes Einkommen an, welches nicht konsumiert wird. Statt das Vermögen zu besteuern könnte auch das Einkommen wie folgt besteuert werden (ergibt sich aus Umstellung der vorgenannten Formel, recht trivial):
Steuer = Einkommen *c*(e+(1-e)*m) + Einkommen * (1-c) * (e+(1-e)*v/z)
Jetzt kann ich zwei neue Sätze für m und v so festlegen:
m' = e+(1-e)*m
v' = e*z+(1-e)*v
Danach sieht die äquivalente Formel so aus: Steuer = Einkommen * c * m' + Einkommen * (1-c) * v'/z
Huch, da gibt es ja gar keine Einkommensteuer mehr, sondern nur noch Verwendungssteuern. Tja Leute, die Mathematik ist unbestechlich!

Nun ist es also das Ansinnen der Brechts & Co, die Vermögensteuern zu erhöhen. Bei gleichem Steueraufkommen bedeutet das, die Konsumsteuer zu senken. Wie werden Vielverdiener also reagieren? Nach meinen Dafürhalten wird Konsum billiger, Investition teuerer, also folgt: Die Reichen werden ihr Vermögen lieber verfressen, als es der Besteuerung zu unterwerfen. Die Konsumnachfrage wird entsprechend steigen, die Konsumentenpreise werden steigen, Geringverdiener werden einen Kaufkraftrückgang hinnehmen müssen, Vermögende werden durch Erhöhung des Konsums der Investitionssteuer ausweichen und so ihre Steuerquote senken. Die Investitionen werden zurückgehen und damit die Produktivität der Arbeitnehmer, damit einhergehend ihre Löhne.

Offensichtlich ist es der Wunsch der Proponenten der Vermögenssteuer, die Reichen endlich zu einem Leben in Saus und Braus zu zwingen. Das nenne ich doch mal sozial gerecht.

Nachtrag: Natürlich kann man die Vermögensteuer auch einfach wieder durch eine EKSt ersetzen:
e'' = v'/z
m'' = ((1-v'/z)*m'-v'/z)
v'' = 0
Steuer = Einkommen*e'' + Einkommen*c*m''
Oder ich kann natürlich auch die MwSt völlig streichen. Diese Umformung kann jeder nach Belieben als Hausaufgabe betrachten.

19 Kommentar(e) permalink

Rechtliches:  Impressum Kontakt: webmaster@sozioproktologe.de Valid RSS Valid HTML 4.01! .