Es ist schon paar Jahre her, kurz nach der Wende, noch vor der Wiedervereinigung... kurz nach der Währungsunion tauchten auf den ostdeutschen Straßen Bettelkinder auf. Sie kamen aus den armen Ecken Osteuropas, Rumänien? Bulgarien? ich weiß es nicht genau, denn deren Sprache habe ich nicht verstanden. Nur auf kleinen Zetteln, die sie in den Passanten entgegenhielten, stand das Gleiche, was man auch in deren traurigen Augen lesen konnte: „Bitte helfen Sie. Ich habe Hunger.”
Wenn ich der damaligen Berichterstattung glauben soll, wurden diese Kinder auf die schäbigste Art und Weise missbraucht. Sie wurden von deren „Inhabern”, die zum Betteln geschickt haben, misshandelt, geschlagen, häufig sogar verkrüppelt, nur damit sie mehr Mitleid erregen um mehr Geld zu erbetteln. Und selbstverständlich haben die Kinder das erbettelte Geld nicht behalten können. Es wurde ihnen von den Hintermännern abgenommen.
Eines Tages wurde auch ich von einem Bettelkind angehalten. „Bitte, eine Mark. Hunger.”. Ich hatte selbst nicht viel Geld, aber ich konnte mir das Elend nicht mehr anschauen.
Also habe ich dem Kind, ob es ein Junge oder ein Mädchen war, werde ich nie erfahren, statt einer gleich fünf Mark gegeben.
Ich weiß, das Geld wanderte bestimmt zu dessen „Inhabern”, aber vielleicht wurde das Kind an dem Abend weniger geschlagen. Ich glaube sogar einen Funken Freude in dessen apathischen Augen erahnt zu haben.
Und ich spüre bis heute das warme Gefühl ums Herz, etwas gegen die Armut unternommen zu haben. Jahre vor Live8!