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08. September 2005

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Verspätet - dennoch hier, da unbeantwortet  

Ich hatte Tobias Kaufmann, der ab und zu auf der ->Achse des Guten bloggt, eine Mail gesendet, nachdem er ->diesen Artikel dort eingestellt hatte. Es hatten wohl zu viele Menschen darauf geantwortet, deshalb blieb mein Geschreibsel unbeantwortet.

Zwischenzeitlich gab es auch eine missglückte Klarstellung auf der Achse, die ist aber wieder entfernt worden.

Aber dennoch und weil es mich so ärgert, dass der sozialistische Unfug bis heute von einer Minderheit der Menschen kleiner 1% richtig verstanden wird, stelle ich hier meine Mail vom 23.8.2005 hin. Weil man doch gegen die totale Begriffsverwirrung einmal angehen muss.

Hallo Tobias,

Ein paar Anmerkungen zum o.g. Artikel.

1) Durch den Freibetrag ist die Steuer nach Kirchhoff effektiv progressiv. 2000 Euro * 12 – 8000 Euro = 16000 Euro. Davon Steuern 25% = 4000 Euro, macht effektiv 16,7% Steuern. Im genannten Fall der alleinerziehenden Mutter unterstelle ich einmal 2 Kinder, macht einen Freibetrag von 24000 Euro. Die ginge also sogar steuerfrei aus.

2) Die bisherige Grenzbelastung durch Abgaben und Steuern kann bei Geringverdienern über 90% liegen. Das ist oberhalb des Spitzensteuersatzes. Alleinerziehende Mütter trifft das besonders stark: ->http://www.uni-kiel.de/ifw/pub/kd/2005/kd421.pdf

3) Umverteilung meint traditionellerweise eine Veränderung der Primäreinkommensverteilung, so dass sich eine andere Sekundärverteilung ergibt. Das leistet das Steuerrecht. Eine Senkung der Umverteilungsmasse kann schwerlich Umverteilung genannt werden, weil sie genau das Gegenteil ist. Das Wort Umverteilung wurde mittlerweile völlig sinnentleert. So wie das Wort „Solidarität“, welches als Ersatzbegriff für alle Arten von Zwangssystemen herhalten muss.

4) Gleichmacherei ist das Steuermodell von Kirchhoff ebenfalls nicht, sonst müsste der Zustand der totalen Freiheit von jeglicher Gleichmacherei jener sein, bei dem die Menschen nach Abzug der Steuern das selbe Netto haben. Das Wort „Gleichmacherei“ wurde ebenfalls gekapert und hat mittlerweile genau die der ursprünglichen entgegengesetzte Bedeutung.

5) Anstrengung hilft niemandem. Es ist sogar so, dass die Ökonomie eben lehrt, das gewünschte Ergebnis mit möglichst wenig Anstrengung zu erzielen: Das nennt man rationelle Mittelverwendung und diese ist der Grundpfeiler für Wohlstand.

6) In einer Marktwirtschaft wird man ferner, und das ist sehr zweckmäßig, nicht nach seiner Anstrengung entlohnt, sondern nach seiner Leistung im Sinne von Behebung von Knappheit. Würden wir nach Anstrengung bezahlt, so hätten wir zu viele Gewichtheber und beispielsweise wenige Kolumnisten.

7) Ein System, welches inhärent dazu tendiert, die Ersatzeinkommen immer weiter steigen zu lassen, ist instabil, denn mit jeder erhöhten Förderung der Förderungswürdigkeit wird es mehr Menschen geben, die in diese Kategorie fallen. Dort dreht sich ein Teufelskreis. Ludwig von Mises hat das einmal „schleichenden Sozialismus“ genannt. In Deutschland sind wir bereits bei einer Staatsverschuldung aus 60% offizieller Schuld plus 270% impliziter Staatschuld angekommen (vgl. Sachverständigengutachten der Wirtschaftsweisen 2002 oder 2003)

8) Niemandem werden letzte Nieren genommen, das Beispiel hinkt. Unser jetziges System hat allerdings das Potenzial, eine Menge Armut zu verursachen, so dass es vielleicht doch eines Tages dazu kommt, dass die Menschen hier ihre Nieren verkaufen müssen.

Viele Grüße,

Roland Scheel

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